Der Lesesaal in der alten National- und Universitätsbibliothek in Zagreb (heute Kroatisches Staatsarchiv). In rund 1800 kroatischen Bibliotheken werden mehr als 25 Millionen Bände aufbewahrt, davon 2,2 Millionen in der National- und Universitätsbibliothek. Im Jahr 2011 wurden die kroatischen Museen und Galerien von mehr als 2,9 Millionen Besuchern besichtigt.

Kultur

Museen, Galerien und Bibliotheken

Museen und Galerien

Die Tradition des Sammelns und der Aufbewahrung des kulturellen Erbes ist bei den Kroaten sehr alt; sie begann mit der Entwicklung von kirchlichen Schatzkammern und privaten Kunstsammlungen, wobei die erste öffentliche museale Sammlung 1750 in Split ausgestellt wurde. Im 19. Jahrhundert wurden die Einrichtungen gegründet, welche die Kunstwerke und Gegenstände des heterogenen Kulturerbes sammelten und ausstellten – sog. Volksmuseen in Zadar (1832), Dubrovnik (1872), Osijek (1877) und Zagreb (1866), aus deren Sammlungen sich archäologische, naturwissenschaftliche, ethnographische und Geschichtsabteilungen herausbildeten, die ihre Tätigkeit heute als selbstständige Institutionen ausüben.

Die spezialisierten Museen und Galerien wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet, und zwar hauptsächlich in Zagreb: das Museum für Kunst und Gewerbe (1880), die dank einer Spende des Bischofs Strossmayer gegründete Strossmayer-Galerie Alter Meister (1884), die Moderne Galerie (1905) sowie das Stadtmuseum Zagreb (1907). In Knin wurde 1893 das Museum der kroatischen Altertümer gegründet, das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Split übersiedelte, wo es als zentrales Museum der kroatischen archäologischen Denkmäler organisiert wurde. Die Feier anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums des kroatischen Königreiches veranlasste 1925 die Gründung der Museen in Požega, Varaždin und Šibenik. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zahlreiche Stadtmuseen, von denen einige das regionale Kulturerbe betreuen, wie beispielsweise die Museen in Rijeka, Gospić, Poreč, Čakovec und Kutina. Die Tradition der Kunstgalerien wurde durch neue Kunsteinrichtungen in Dubrovnik (1945), Rijeka (1949), Osijek (1954) und Vukovar (1959) fortgesetzt.

Museum für Kunst und Gewerbe in Zagreb
Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb
National- und Universitätsbibliothek in Zagreb

1954 wurde in Zagreb die Galerie für zeitgenössische Kunst, das heutige Museum für zeitgenössische Kunst eröffnet, das seit 2009 im neuen repräsentativen Gebäude untergebracht ist. Unter Gedenkmuseen zeichnet sich die Galerie Meštrović in Split aus, die 1954 dank einer Donation dieses Künstlers entstanden ist. Zu den bedeutendsten kirchlichen Sammlungen zählen: die Ständige Ausstellung der sakralen Kunst Zadar (1976), die Schatzkammer des Zagreber Doms, ebenso die Schatzkammern der Kathedralen von Split und Dubrovnik sowie die Sammlungen einzelner Klosterorden. Zu den Kunsteinrichtungen neueren Gründungsdatums zählen Institutionen wie die ohne Dauerbestand und für die Ausstellungen des nationalen und Weltkulturerbes bestimmte Galerie Klovićevi dvori (1982), Archäologisches Museum Narona (2007) in Vid bei Metković, das Museum für antikes Glas (2009) in Zadar, das in den Räumen des ehemaligen Museums der Evolution untergebrachte Museum der Neandertaler von Krapina (2010) in Krapina, sowie das innovative Museum der zerbrochenen Beziehungen (2011) in Zagreb.

Galerie Klovićevi dvori, untergebracht im einstigen Jesuitenkloster in der Zagreber Altstadt. Beherbergt repräsentative Wechselausstellungen des nationalen Kulturerbes sowie Gastausstellungen der Museen und Galerien aus der ganzen Welt, wie beispielsweise die im März 2013 eröffnete Ausstellung auserwählter Kunstwerke aus dem Picasso-Museum in Paris.. 

Im Jahr 2011 waren im Register der Museen und Galerien der Republik Kroatien 281 Kunsteinrichtungen eingetragen, 171 Sammlungen waren im Besitz religiöser Gemeinschaften. Die Tätigkeit der Museen und Galerien wird von dem 1955 gegründeten Musealen Dokumentationszentrum koordiniert.

Bibliotheken

Die ersten Bibliotheken in Kroatien wurden von den Benediktinern gegründet, denen später auch weitere geistliche Orden folgten. Auch die mittelalterlichen Bistümer besaßen Bibliotheken, was die gegen Ende des 14. Jahrhunderts verfassten Angaben zum Inventarverzeichnis der Bibliothek des Zagreber Bistums bezeugen. Diese Bibliothek bildet auch heute einen integralen Bestandteil der bekannten Metropolitan-Bibliothek. Mit der Gründung von Jesuitenkollegien entstanden im Rahmen ihrer Gymnasien auch die Bibliotheken, allerdings waren bereits in der Epoche der Renaissance auch private Bibliotheken bekannt.

Eingangshalle der National- und Universitätsbibliothek in Zagreb
Lesesaal in der alten National- und Universitätsbibliothek in Zagreb (heute Kroatisches Staatsarchiv)
Bibliothek der Minderen Brüder in Dubrovnik

Während des 19. und 20. Jahrhunderts stieg die Anzahl der öffentlichen, Schul- und Fachbibliotheken sowie der sonstigen Bibliothekstypen rapid an. Laut Angaben aus dem Jahr 2011 gibt es jetzt in Kroatien 155 selbstständige Volksbibliotheken mit vernetzten Zweigstellen, und zwar an mehr als 300 Standorten und mit einem Bücherbestand von über 9.700.000 Bänden.

Zu den größten Bibliotheken zählen: die Bibliotheken der Stadt Zagreb, die Stadt- und Universitätsbibliothek Osijek, die Stadtbibliotheken in Rijeka, Karlovac, Split und Zadar. Die größte unter den Hochschul-Bibliotheken Kroatiens ist die National- und Universitätsbibliothek in Zagreb, die eine zweifache Aufgabe erfüllt, nämlich sowohl die einer Nationalbibliothek (Pflichtexemplare aller in Kroatien publizierten Veröffentlichungen, aktualisierte Nationalbibliographie) als auch die Aufgabe einer Universitätsbibliothek. Ebenso die Universitätsbibliotheken in Osijek, Pula, Rijeka und Split üben heutzutage ihre Tätigkeit aus, und, neben den allgemein wissenschaftlichen Bibliotheken in Dubrovnik und Zadar, erhalten auch sie ein Pflichtexemplar aller Neuerscheinungen. Die Bibliothek der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste bewahrt wertvolle Manuskripte, Inkunabeln sowie seltene Publikationen auf und arbeitet mit Akademien und wissenschaftlichen Institutionen in Europa und weltweit  zusammen.