Das Spielfilmfestival, das jeden Sommer in der Arena von Pula stattfindet, wurde im Jahr 1954 ins Leben gerufen und ist eines der ältesten Filmfestivals in der Welt. Im Jahr 2012 wurden die kroatischen Kinos von mehr als 4 Millionen Filmzuschauern besucht.

Kultur

Kinematografie

Die Geschichte der profesionellen kroatischen Kinematografie verzeichnete ihre Anfänge erst Mitte des 20. Jahrhundert. Die ersten erhaltenen Filmaufnahmen kroatischer Landschaften wurden jedoch bereits im Jahr 1898 vom berühmten Kameramann der Filmgesellschaft Lumière, Alexander Promio, gemacht und im Jahr 1904 auch vom englischen Filmpionier Frank Sheffield gedreht.

In der Zwischenkriegszeit machten mehrere kroatische Schauspieler (Zvonimir Rogoz) bemerkenswerte Karrieren in anderen europäischen Ländern. Von besonderer historischer Bedeutung sind die Dokumentar- und Kurzfilme des international anerkannten Filmemachers Oktavijan Miletić sowie Lehrfilme in der Produktion der Schule für öffentliche Gesundheit, die dank der Wanderkinos das Publikum im ganzen damaligen Jugoslawien sehen konnte. Die staatlich geförderte Filmproduktion wurde im Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) durch die Produktion von Propaganda- und Kulturfilmen ins Leben gerufen, im Jahr 1944 entstand dann auch der erste abendfüllende Tonfilm Lisinski in Miletićs Regie.

Branko Lustig (1932), renommierter kroatischer Filmproduzent, der seit Ende der 1980er Jahre in Hollywood tätig ist. Lustig war Koproduzent zweier Oscar-prämierter Filme (Schindler’s List und Gladiator)
Surrogat (1962) von Dušan Vukotić ist der erste nichtamerikanische Oscar-gekrönte Zeichentrickfilm.
Weltfestival des Animationsfilms in Zagreb ist eines der renommiertesten derartigen Festivals in der Welt

Das kommunistische Regime der Nachkriegszeit unterstützte die Entwicklung des Films, wirkte bei der Gründung von Filmstudios mit und bis in die frühen 1950er Jahre auch bei der Produktion zahlreicher Dokumentarfilme und der ersten Filme mit Kriegsthematik (sog. Partisanenfilme). Mitte der 1950er Jahre wurden Filme gedreht, welche die Qualitätsstandards der sowjetischen und Hollywood-Filme erreichten, die stilistischen, für den damaligen europäischen Film charakteristischen Merkmale aufwiesen, vor allem diejenigen des Neorealismus, aber auch jene der modernen Narration (Banko Belans Konzert; Nikola Tanhofers H-8 …) und die klassischen Genresmodelle meisterten (Branko Bauers Dreh dich nicht um, mein Sohn).

Was ist ein Mann ohne Schnurrbart? (2005) des Regisseurs Hrvoje Hribar. Bei dem 53. Spielfilmfestival von Pula (2006) gewann dieser Film den Publikumspreis ‚Das goldene Tor von Pula‘, den Preis für die beste Filmmusik sowie den Preis für die beste Hauptdarstellerin.
Die Schwarzen (2009) in der Regie von Goran Dević und Zvonimimr Jurić. Bei dem 56. Spielfilmfestival von Pula (2009) wurde dieser Film mit der Goldenen Arena für die beste Regie preisgekrönt.
Die Kinder des Priesters (2013) des Regisseurs Vinko Brešan

Der kroatische Film verzeichnete damals auch seine größten Erfolge: das Kriegsmelodram Der neunte Kreis wurde für den Oscar nominiert; einen ähnlichen Erfolg erzielten später die Partisanenspektakel in jugoslawischer Koproduktion, bei denen auch die kroatischen Regisseure, Kameraleute, Schauspieler und Filmstudios mitwirkten (Veljko Bulajićs Die Schlacht an der Neretva). Neben den ausgezeichneten Dokumentar- und Kinderfilmen umfasste die kroatische Kinematografie in diesem Zeitraum ebenfalls die international anerkannten Experimentalfilme (Mihovil Pansini, Tom Gotovac, Ivan Martinac, Sanja Iveković, Dalibor Martinis). Den bedeutendsten Beitrag zum Weltfilm leistete die Zagreber Schule des Zeichentrickfilms mit einer Reihe von originellen, modernistischen Zeichentrickfilmen in nicht-Disney-Manier von Autoren, wie Dušan Vukotić, Vlado Kristl, Vatroslav Mimica, Aleksandar Makrs, Vladimir Jutriša, Boris Kolar, Zlatko Bourek, Nedeljko Dragić, Zlatko Grgić, Zdenko Gašparović, Borivoj Dovniković sowie mit der populären Zeichentrickserie Professor Balthazar

In den 1960er und 1970er Jahren stand der kroatische Film im Zeichen des Autorenfilms, der zugleich dem osteuropäischen „neuen Film“, bzw. dem Modernismus, zuzuordnen ist (die Filme von Vatroslav Mimica, Ante Babaja, Antun Vrdoljak, Krsto Papić, Tomislav Radić, Zvonimir Berković, Krešo Golik, Fadil Hadžić, Lordan Zafranović und Rajko Grlić). In den 1980er Jahren dominierte der Genrefilm im Geiste des Postmodernismus (die Werke von Zoran Tadić), in den frühen 1990er Jahren wurde die kroatische Kinematografie von einer organisatorischen und schöpferischen Produktionskrise ergriffen, aber kurz darauf erschien allerdings eine neue Generation der Filmregisseure (Zrinko Ogresta, Lukas Nola, Vinko Brešan, Hrvoje Hribar, Dalibor Matanić, Ognjen Sviličić und Arsen Anton Ostojić), die ihren Beitrag zur Wiederbelebung der kroatischen Kinematografie zu leisten vermochte. In der Zeit nach 2000 kam es zudem zu einer Verbreitung von Multiplex-Kinos in allen größeren Städten Kroatiens. Besonders lebhaft wurde aber die Filmproduktion infolge der 2008 verabschiedeten Reform des Systems der öffentlichen Subventionen für die Filmproduktion und der Gründung des Kroatischen Audiovisuellen Zentrums, der Hauptverwaltungsstelle für den audiovisuellen Sektor, wie auch dank der durch die Mitgliedschaft im Europäischen Koproduktionsfonds Eurimages verstärkten internationalen Zusammenarbeit und der Beteiligung Kroatiens am MEDIA-Programm der Europäischen Union.